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Der eigene Pensionsstall

Donnerstag, Februar 3rd, 2011

Der Wunsch, mein Pferd selbst zu versorgen, wurde in den letzten Jahren immer stärker. Irgendwann fing ich an, fast täglich die entsprechenden Annoncen im Internet zu studieren. Immer wieder trommelte ich die Familie, bestehend aus meinem Mann und unserem gemeinsamen Sohn zusammen, um sie von irgendeinem fast zerfallenem, aber dafür bezahlbarem Resthof zu überzeugen. Jedes Mal schauten sie mich mit großen Augen an und fragten, was wir denn im Oderbruch wollen? Ich muß dazu sagen, dass der Pferdevirus auf den Rest der Familie nicht übergesprungen war und die Beiden nicht bereit waren, ihr Leben komplett umzukrempeln.

Aber dann entdeckte ich eine Anzeige, in der ein Pferdehof ca. 15 km weit von unserem Wohnort entfernt angeboten wurde. Noch am selben Abend stand ich im Dunkeln, bei minus 22°C und der ersten Monatspacht in der Hand auf dem Hof und sagte ohne Nachzudenken zu.

Das Abenteuer konnte beginnen…

Kinder, wie die Zeit vergeht

Mittwoch, Februar 2nd, 2011

Mit dem Kauf meiner Stute war der Grundstein für ein Leben mit Pferden nun endgültig gelegt. Eine wunderbare Zeit mit vielen Höhen und Tiefen begann für mich. Von kleinen Tuniererfolgen bis hin zur fast tödlich endenden Kolik war alles dabei.

Inzwischen sind mehr als zwei Jahrzehnte vergangen, mein damals sechsjähriges Pferd ist jetzt 28 Jahre alt und ich bin für jeden Tag dankbar, den ich mit ihr erleben darf. Es ist spannend zu sehen, wie die Stute einerseits ihrem nicht immer ganz einfachen Charakter stets treu bleibt, sie sich andererseits mit zunehmendem Alter auch stark verändert.

Ohne dass ich viel darüber nachgedacht habe, hat sie mein Leben immer wieder gelenkt. So kam es, dass ich eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin machte und mich sogar für einen eigenen Pferdehof entschied.

Das Leben ist halt doch ein Ponyhof!!

Meine erste Hippologica

Freitag, Januar 28th, 2011

Lange Zeit konnte ich es gar nicht richtig fassen, dass ich nun ein eigenes Pferd hatte. Einen Monat vor der Wende! Es gab kein Zubehör, Futter nur , wenn man einen Bauern kannte und für meine erste Satteldecke bin ich mit dem Zug von Berlin nach Rostock gefahren. Dort wollte jemand eine gebrauchte Decke verkaufen. Ich kam zu spät, ein Anderer war schneller!  Doch ca. vier Wochen später fiel die Berliner Mauer und mein Weg zur ersten Pferdemesse “Hippologica” war frei.

Ich war geschockt! Wer jetzt glaubt, dass ich mit ca. 25 Tüten rausging, der irrt! Gebraucht hätte ich wirklich vieles, aber ich war wie gelähmt. Ich schwankte zwischen “super, jetzt gibt es alles” und “die spinnen im Westen”. Wer braucht ein Halfter mit der passenden Reithose dazu? Und das Ganze auch noch in himmelblau! Inzwischen weiß ich, dass viele Reiter Wert auf Partnerlook mit ihrem Pferd legen. Damals fand ich es unerklärbar und ging mit einer Pferdezeitschrift in den Händen aus den Messehallen.

Im Laufe der Jahre hat sich auch mein Kaufverhalten geändert und so hatte   ich im letzten Jahr die ein oder andere Tüte mehr zu tragen…

Das Jahr 1989

Donnerstag, Januar 20th, 2011

Jeder weiß, dass das Jahr 1989 ein ganz Besonderes war. Für mich noch viel mehr! Denn bevor am 9.November die Berliner Mauer fiel, unterschrieb ich am 10. Oktober den Kaufvertrag für mein erstes eigenes Pferd. Meine Stute!

Wie kam es dazu? Während ich in den vergangenen Jahren in der Reittouristik ritt, stand in den Ferien immer Urlaub im Sattel auf dem Plan. Durch eine Freundin aus dem Stall hatte ich die Chance, in den Herbstferien 1987 eine Woche in Redefin zu verbringen. Heute heißt es Landgestüt, damals nannte man es Hengstdepot und ein Urlaubsplatz glich einem Sechser im Lotto. Es war einfach unglaublich schön dort. Nach ungefähr zwei Tagen war ich nach langer Zeit wieder unsterblich in ein Pferd verliebt. Lago! Ein 172cm großer, brauner Wallach. Ich wollte nie wieder abreisen. Wenn, dann nur mit Lago im Gepäck. Ich hatte keine Ahnung, wie ich es anstellen sollte, aber ich biß mich an diesem Gedanken fest. Durch einen Zufall lernte ich in der einzigen Dorfkneipe, wo man sich abends zum Spiegeleieressen traf, den Sportjournalisten Herbert Gast kennen. Er  veröffentlichte regelmäßig Artikel über das Hengstdepot in der Berliner Wochenpost  und verfügte somit über die nötigen Kontakte.  Ich erzählte von meinem Plan und zu meiner Überraschung nahm er mich ernst. Schon am nächsten Tag konnte er mir den Kaufpreis nennnen und ich war wieder in der Realität angekommen.  Lago besuchte ich dann immer in den Ferien und zu Herrn Gast (später nur noch Herbert) entwickelte sich eine richtige Freundschaft.  Da er meinen Wunsch nach einem eigenen Pferd nicht vergessen hatte, kam er zwei Jahre später auf mich zu und berichtete mir von meiner zukünftigen Stute. Sie war ein “Wendeopfer”, denn ihre damaligen Besitzer saßen in Warschau und warteten auf ihre Ausreise. So war die Zeit…

Ich hatte mein Pferd!! Eine 164cm große, braune Stute, 6 Jahre alt, in Neustadt gezogen und stur wie ein Esel!

Von den Galoppern zu den Trabern

Mittwoch, Januar 19th, 2011

Die Tage im Rennstall waren eine Welt für sich. Vieles durfte ich lernen, wovon ich einiges bis heute nicht vergessen habe. Damals als 12-jährige empfand ich die Tage im Stall wunderbar, heute sehe ich es mit ganz anderen Augen. Es wird immer verschiedene Haltungsformen für Pferde geben, aber mit nicht jeder Art kann ich mich heute noch anfreunden.

Aber zurück zu der Zeit, wo es für mich nichts Schöneres gab, als vor und nach der Schule zum Stall zu fahren. So stand ich mindestens dreimal in der Woche um 4.00 Uhr morgens auf und fiel abends sehr müde ins Bett. Irgendwann waren die Augenränder nicht mehr zu übersehen und meine Mutter spielte nicht mehr mit. Da man sich im Rennstall aber nicht nur einmal die Woche blicken lassen konnte, war meine Zeit dort schweren Herzens vorbei.

Aber ganz ohne Pferde ging es einfach nicht! So verschlug es mich in einen Stall, in dem “Reittouristik” angeboten wurde. Da war es egal, wie oft man kam, hauptsache man bezahlte. Wir ritten dort auf Trabern, die im Rennsport nicht ganz vorn mitmischen konnten. Für mich wieder eine neue Erfahrung, wenn man mit seinem Pferd plötzlich genauso schnell traben konnte, wie andere galoppieren. So richtig glücklich war ich zuerst dort nicht, aber eine andere Lösung gab es damals nicht. Es war halt eine andere Zeit, mit weniger Möglichkeiten als heute. Insgesamt kamen dann aber doch 6 Jahre zusammen, die ich mit Pferdefreunden und eigentlich nur einem Lieblingspferd dort verbracht habe. Milan hieß “mein” Pferd, und eigentlich hatten wir nur ein Jahr zusammen. In der DDR mußte der Schlachtplan erfüllt werden, egal ob krank oder gesund… Ich habe es dann irgendwie geschafft, kein zweites Pferd in diesem Stall so dicht an mein Herz zu lassen.